Kalker Hauptstraße, Köln

Neubau eines städtischen Wohngebäudes
im gewerblich & verkehrlich geprägten Kontext

Ein Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit:
Schenker Salvi Weber ZT, Wien
Kraft.Raum. Landschaftsarchitektur
BFT Cognos
blauphysik

Mehrfachbeauftragung 2021

135 WE
10.724 qm BGF Wohnen
774 qm KiTa

KALEIDUS - Vielfalt leben in Kalk

Urbane Idee_Der Entwurf versteht sich als ein Stück Stadt und betont damit in dieser besonderen Lage an der Bahn, wo sich die gründerzeitliche Struktur Kalks etwas verliert, den städtischen Zusammenhang. Mit der bloßen Schließung des Blockrands ist es an dem Ort nicht getan, obschon diese im Sinne des Lärmschutzes faktisch vollzogen wird. Der Entwurf greift vielmehr die Heterogenität seines baulichen Umfeldes auf und verknüpft diese mit dem gründerzeitlichen Blockmotiv. Daraus resultiert ein Höhenspiel, welches u.a. die Sheddachhalle und weitere Gebäude geringer Höhe im südlichen Grundstücksbereich berücksichtigt.

Stakkato_Die Staffelung der Höhen von Süd nach Nord ist eines der zentralen Themen der gewählten Volumetrie. Mit der Höhenstaffelung geht eine Tiefenstaffelung der Fassaden einher. Erst aus der Kombination erwächst die Unverwechselbarkeit dieses dreidimensional ausdifferenzierten Baukörpers dessen Takt mit einem einem kurzweiligen Stakkato zu vergleichen ist. Der Rhythmus folgt der inneren Gebäudestruktur und bildet damit für jeden einzelnen Treppenhauszugang eine Adresse aus. Die eingesetzten Materialien und Farben unterstützen das Wechselspiel der 4-8 geschossigen Fassaden. Dabei werden Materialien der umgebenden Gebäude wie die Ziegel der Sheddachhalle aufgegriffen und mit übergeordneten Ideen ergänzt und verfremdet. Lasierte Steine bringen Farbe ins Spiel und geben den Baukörpern eine vielfältige Identität.

Neue Adresse in Kalk_Der bauliche Schwerpunkt liegt mit 8 Geschossen im Eckbereich von Kalker Hauptstraße und Wippermannstraße. Hier setzt der Entwurf ein bauliches Zeichen als östlicher Schlussstein von Köln-Kalk. Zum Nachbargebäude an der Zechenstraße vermittelt ein 5-geschossiger Baukörper an der Kalker Hauptstraße. Gegenüber der Bahntrasse wurden alle Gebäudeteile so weit wie möglich abgerückt, sodass sich die Erschütterungen durch den Bahnverkehr auf ein Minimum reduzieren. Der Versatz nach Westen und das Abrücken gegen Osten komprimiert die Baumassen in einem zentralen Streifen, welcher die Wippermannstraße neu definiert, aufwertet und zur neuen Wohnadresse in Kalk transformiert.

WOHNEN

Organisation und Erschließung_Das Wohnen wird über klassische Mehrspänner organisiert. In der Regel handelt es sich um 3-4-Spänner, beim Kopfbau um einen 6-Spänner. Der 2. Rettungsweg erfolgt bis zum 2. Obergeschoss allseitig über eine Anleiterbarkeit per Handleiter. Ab dem 3. Obergeschoss ist für die durchgesteckten und bahnseitig gelegenenWohnungen eine Anleiterbarkeit mit Drehleiter über den Erschließungsweg von der Bahn- Straßenseite gegeben. Hofseitig gelegene Wohnungen können über einen Fluchtkorridor als Verbindung von zwei Treppenhäusern oder über die Dachterrassen entfluchtet werden. Die dazu erforderlichen Zufahrten und Feuerwehraufstellflächen sind entsprechend eingeplant. Eine Befahrbarkeit des geschützten Innenbereichs kann somit für die Feuerwehr vermieden werden.

Lärmschutzoptimierte Typologien_Die insgesamt 135 Wohnungen haben eine lichte Raumhöhe von mind. 2,60 m und verfügen über lärmschutzoptimierte Grundrisse. Dazu werden alle schutzbedürftigen Aufenthaltsräumen um eine zentrale verglaste, jedoch natürlich belüftete Loggia angeordnet. Straßen- wie bahnseitig kann über eine Spaltbegrenzung auf 40 mm eine erhöhte Lärmminderung erreicht werden, sodass in den schutzbedürftigen Räumen mit natürlicher Lüftung ein Innenpegel von unter 35 dB gewährleistet werden kann. Im Innenhofbereich ist die Lärmbelastung weniger problematisch. Doch kann über eine analoge Grundrissgestaltung je nach punktuellem Lärmaufkommen und Art der Lärmverteilung eine individuelle Lösung angewandt werden. Neben der Lärmschutzoptimierung zeichnen sich die Grundrisse dadurch aus, dass Schlaf- und Kinderzimmer mehrheitlich vom Flur aus erschlossen werden, Küchen flexibel offen oder geschlossen möglich sind, Nasszellen kompakt mit minimierten Installationsschächten ausgeführt werden und die Loggien über eine nutzbare Tief von 2 Metern verfügen. Längere Flurzonen können durch die zentrale Lage von Wohnräumen mit Nähe zur Eingangstür vermieden werden.

Vielfältige Gärten_Trotz der hohen Dichte kommt den privaten und gemeinschaftlichen Gärten eine große Bedeutung zu. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen. Als recht klassisch kann man die Westgärten der Erdgeschosswohnungen bezeichnen, welche ruhig gelegen sind und von mittags bis abends besonnt werden. Ebenso privat und großzügig gestalten sich die zahlreichen Dachgärten, welche sich durch die differenzierte Höhenentwicklung entlang der Wippermannstraße ergeben. Ganztägig besonnt und mit attraktiven Blickbeziehungen versehen, stellen diese Gärten einen großartigen Mehrwert für das Wohnen im Osten Kalks dar. Als dritte Gartenkategorie bietet ein großer Gemeinschaftsdachgarten an der Kalker Hauptstraße ein Angebot für die Bewohner der geförderten Wohnungen. Dieser Garten ist folglich über ein Treppenhaus für alle Bewohner dieses nördlichen Teilbereichs zu erreichen.

SOZIALE INFRASTRUKTUR

Kindertagesstätte_Im EG des nördlichen Bereichs befindet sich die Kita unterhalb der geförderten Wohnungen. Diese legt sich im Winkel um den geschützten nach Süden und Westen ausgerichteten Außenspielbereich von ca. 800 qm. Der Zugang zur Kita erfolgt von der Ostseite über die zur Spielstraße umgebaute Wippermannstraße. Der Drop-Off-Bereich der Kita ist dem Eingangsbereich an der Schnittstelle zur Kalker Hauptstraße zugeordnet. Die Gruppenräume sind ebenfalls nach Osten orientiert, um die Morgensonne einzufangen. Als einhüftige Anlage ist der unmittelbare Zugang zur Außenspielfläche im Westen dennoch gewährleistet.

Spielplatz und öffentliches Grün_Der öffentliche Spielplatz schließt sich auf der Ostseite des Gebäudes südlich des Drop-Off-Bereichs der Kita an und verteilt sich wie die nach kooperativem Baulandmodell geforderte Grünfläche auf mehrere in die Spielstraße integrierte Inseln, sodass die Bezeichnung Spielstraße hier Ihrer Bedeutung in besonderer Weise gerecht wird. Durch diese Anordnung werden vor allem die in der Größenordnung auf die Feuerwehr ausgelegten Verkehrsflächen für das Spielen aktiviert. Der begrenzte Außenraum erfährt damit eine maximale Multicodierung am Fuße des Bahndamms. Die Inseln sind mit unterschiedlichen Themen belegt. Ein Spielturm im Norden erhöht die Sichtbarkeit bzw. Erkennbarkeit der öffentlichen Spielfläche von der Kalker Hauptstraße aus. Die Spielangebote für Kleinkinder sind im südlichen Bereich der Spielstraße vorgesehen, bevor diese als Multifunktionsfläche für kulturelle Veranstaltungen vor der Sheddachhalle endet. Verstreute Sitzelemente und eine durchgehende Sitzkante am Fuße der Böschung laden zum Aufenthalt ein. Feldbirnen tragen zur Begrünung der Spielstraße bei und leisten einen Beitrag zum Prinzip der essbaren Stadt.

ERSCHLIESSUNG

Wippermannstraße_ Die Erschließung aller Treppenhäuser erfolgt von Osten über die Spielstraße entlang der Gleisanlagen. Die Anbindung des Grundstücks Wippermannstr. 26 für Fußgänger und Fahrradfahrer und gelegentliche Lieferverkehre ist gegeben. Der Weg ist so dimensioniert, dass er für Rettungsfahrzeuge befahrbar ist. Der Querschnitt der Spielstraße fällt nach Osten leicht ab und sammelt das Regenwasser in einer offenen Rinne. Die Spiel- und Grüninseln verfügen über Einsenkungen, sodass sie bei Starkregen als Retentionsfläche genutzt werden können. Ein Teil der Fahrradstellplätze befindet sich im abschnittsweise überdeckten Außenraum neben den Hauseingängen. Weitere Fahrradstellplätze sind über die Tiefgarage erreichbar im Untergeschoss vorgesehen. Der Müll wird in einem zentralen Raum an der Kalker Hauptstraße neben der Tiefgargenzufahrt gesammelt, sodass die Entsorgungsfahrzeuge nicht in die Wippermannstraße einbiegen müssen.

Ruhender Verkehr_Neben den 4 oberirdischen Kurzzeitparkplätzen für die Kita sind alle Stellplätze in einer Tiefgarage untergebracht. Insgesamt stehen in der Tiefgarage 81 Stellplätzen zur Verfügung, wovon 5 Stellplätze für Rollstuhlfahrer ausgelegt sind. Abzüglich 4 Stellplätze für die Kita, 4 Stellplätze für die kulturelle Nutzung in der Shedhalle und 4 Stellplätze Car-Sharing (z.B. Cambio) verbleiben 69 Stellplätze für eigene Fahrzeuge der Bewohner. Die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt im nordwestlichen Bereich des Grundstücks von der Kalker Hauptstraße. Die Rampe wird vollständig überdeckt ausgeführt, sodass im Bereich der Kitaaußenfläche ein Spielhügel entsteht.

NACHHALTIGKEIT

Ökologie und Ökonomie_Die vorgeschlagene Bebauung besteht aus kompakten Gebäudetypen, die mit kleinem Oberflächen-/Volumenverhältnis niedrige Baukosten und geringe Energieverbräuche erwarten lassen. Mehrspänner-Erschließung, übereinander liegende Nassbereiche, vertikale Lastabtragung sowie maximale Elementierung und Vereinheitlichung von Ausbauformaten optimieren die Kosteneffizienz.

Klimaschutz_ Für einen konsequenten Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden durch eine Kombination mit extensiver Begrünung oder der Nutzung von Mäanderplatten bzw. samenfreiem Substrat erreicht. Der lokal erzeugte Solarstrom wird z.B. im Rahmen von Mieterstromprojekten zur Deckung des elektrischen Strombedarfs verwendet. Ebenso Klimaneutral wie die Stromerzeugung stellt sich die Wärmegewinnung durch eine moderne Wärmepumpentechnologie dar.

Regenwassermanagement_ Die weitgehende Begrünung unter Einbeziehung von Dach- und Fassadenflächen schafft ein angenehmes Mikroklima und ist in Kombination mit dem auf Rückhaltung und Versickerung mittels Rigolen ausgerichteten Regenwassermanagement ein Beitrag zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung.

Architektur


Wohnbebauung Adlerstraße Ost, Wernau – Los 2

Wohnbebauung Adlerstraße Ost, Wernau – Los 3

Wohnbebauung Adlerstraße Ost, Wernau – Los 4

Neubau Bezirksrathaus Rodenkirchen, Köln

Bebauung Unicenterparkplatz, Köln

Wohn- und Geschäftshaus MSS29, Konstanz

MOMA-B

Technologiezentrum, Augsburg

Polizeipräsidium Düsseldorf

Neue Stadtbibliothek, Brixen

Museum für zeitgenössische Kunst, Ottobeuren

Grundschule Prüfening, Regensburg

Eltzer Hof, Mainz

Stadthalle Reutlingen

Kulturforum Westfalen, Münster

Zeichen MQ, Wien Österreich

Haus für eine Deutschlehrerin, Orsoy

Erweiterung Kunsthaus Zug, Schweiz