Gallus-Quartier, Tübingen-Derendingen

Städtebauliche Neuordnung
des bestehenden Wohnkomplexes

Landschaftsarchitektur: bbz landschaftsarchitekten

Wettbewerb 2021

Bruttobauland: 1,1 ha
WE: 168

Verbindung
Der Entwurf sieht eine kompakte wie integrative bauliche Struktur vor, welche den Bestand selbstverständlich ergänzt und die naturräumlichen Zusammenhänge der bestehenden Gehölze weitgehend erhält. Eine offene Struktur von Einzelhäusern reagiert flexibel auf die örtlichen Bedingungen und greift die verschiedenen Richtungen aus dem Bestand auf. Ebenso konsequent werden alle potentiellen Wege- und Blickbeziehungen aufgegriffen und fortentwickelt. Schließlich soll ein Quartier entstehen und keine Wohnanlage. Zentrum des Quartiers ist ein eher informell ausgeprägter Platz, welcher von der Sieben-Höfe-Straße bereits gut eingesehen und als öffentlicher Raum leicht identifiziert werden kann. Am Platz überkreuzen sich die beiden wesentlichen Wegeachsen in Nord-Süd- wie in Ost-Westrichtung. Folgt man dem Weg nach Westen ergibt sich ein weiterer kleiner Platz, sodass die Stadträume des Quartiers spannungsreich und vielfältig wahrgenommen werden. Der Weg setzt sich hinter dem Platz fort, verläuft an der denkmalgeschützten Zehntscheune vorbei, um an der Kirche in den westlichen Abschnitt der Sieben-Höfe-Straße zu münden. Auf der Ostseite setzt sich der Weg über die Kappelstraße bis zur langen Furche fort. Auf der Südseite gewährleisten jeweils an den beiden Plätzen Treppenaufgänge Zugang zum Niveau der Weinbergstraße. Eine untergeordnete Verbindung wird vom kleinen Platz nach Norden zum denkmalgeschützten Pfarrhof sowie zum Friedhof nach Südwesten hergestellt, sodass eine starke Vernetzung des Quartiers mit den angrenzenden Stadträumen erfolgt.

Urbanität
Die feine typologische Diversität erzeugt hinsichtlich der Geschossigkeit ein Spektrum von II – IV, wofür eine spezifische städtebauliche Ordnung vorgeschlagen wird. Am zentralen Platz wird die Erdgeschosszone im Südosten durch einen Gemeinschaftsraum als gemeinwohlorientierte Nutzung aktiviert. Das neue Quartier zeichnet sich insgesamt durch eine wohldosierte Urbanität aus, welche die Komponenten Ortsbezug, Gemeinschaft, Adressbildung, Vernetzung und die Mischung verschiedener Wohn- und Eigentumsformen miteinander verknüpft und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickelt. Die Besonderheit des Quartiers bilden die mit Hochpunkten versehenen ineinander gesteckten Gebäudekörper die das Quartier prägen.

Wohnformen, Phasierung und Lärmschutz
Im ersten Bauabschnitt entsteht gefördertes Wohnen im südlichen Bereich im Übergang zur Weinbergstraße. Die Wohngebäude entstehen dort auf einem in den Höhenversprung geschobenen Sockel, welcher den ruhenden Verkehr in einer Parkgarage aufnimmt. Der Sockel wird im zweiten Bauabschnitt nach Osten ergänzt und dient hier als Basis für den freifinanzierten Mietwohnungsbau. Alle zur Weinbergstraße ausgerichteten Wohnungen erhalten verglaste Schallschutzloggien. Im Nordosten des Quartiers entstehen links und rechst des nördlichen Hauptzugangs Eigentumswohnungen.

Robustes Wohnen
Der gefangene Bereich, ohne direkte Verknüpfung zu den angrenzenden Straßen- und Stadträumen des Grundstücks im Nordwesten wird entsprechend der Vorgaben für das Robuste Wohnen optimal genutzt. Zwei Baukörper schirmen einen geschützten Gartenhof ab und bilden über die Fuge dazwischen einen eindeutigen Zugang zum gesamten Funktionsbereich des robusten Wohnens. Die Apartments sind im nördlichen Baukörper nach Osten oder Westen orientiert und werden über einen zentralen Mittelkorridor erschlossen. Im südlichen Baukörper sind alle Wohneinheiten nach Süden ausgerichtet und über einen geschlossen Laubengang erschlossen.

Freiraum
Das Freiraumkonzept setzt in Analogie zur dörflichen Struktur der Umgebung auf informelle fließende Übergänge zwischen den öffentlichen und privaten Bereichen. Die Erdgeschosswohnungen verfügen neben geschützten Loggien teilweise über offene, private Terrassen, um den Kontakt im Quartier zu fördern. Der informelle Charakter und die Kombination der Platzbereiche mit Spielangeboten unterstützt die Ausbildung von Nachbarschaften und die Integration des Robusten Wohnens. Neben dem internen Gemeinschaftsgarten des Robusten Wohnens ist am Gemeinschaftsraum ein öffentlicher Garten vorgesehen, der das Prinzip des Gemeinschaftlichen im Quartier weiter unterstützt. Mit der Entscheidung zugunsten eines autofreien Quartiers wird die feingliedrige und vielfältige Verbindung in die angrenzenden Quartiere gestärkt. Die beiden Platzsituationen sind mit Blick auf die Bedürfnisse der Nutzer gestaltet und dienen als zentrale Punkte des Quartiers. Spielbereiche und Langbänke laden zum Spiel, Aufenthalt und zur nachbarschaftlichen Kommunikation ein. Die Großgehölze auf dem Niveau der Weinbergstraße werden ebenso erhalten wie die Bestände im nordwestlichen Grundstücksbereich. Durch den Verzicht auf Tiefgaragen prägen abgesehen vom schmalen Sockel im Süden Neupflanzungen an Großbäumen das Quartier. Mittelkronige Blühgehölze prägen die Haupverbidungsachsen in ost-westlicher und nord-südlicher Richtung. Die öffentlicheren Freiräume sind naturnah gestaltet und mit offenporigen Belägen zur besseren Versickerung versehen. Die Oberflächenentwässerung der Wege- und Platzflächen wird in die begleitenden Mulden geleitet. Im Bedarfsfall, bei Starkregenereignissen dienen weitere Flächen in den Grünräumen dem Regenwasserrückhalt und damit der Entlastung des öffentlichen Kanalnetzes.

Erschließung
Das Fuß- und Radwegenetz ist untrennbar mit den öffentlichen Freiräumen verknüpft. Hierbei kommt dem zentralen Platz die Funktion eines Gelenks zu, über den man den Bahnhaltepunkt Derendingen in kurzer Zeit zu Fuß erreichen kann. Die Schaffung eines autofreien Quartiers wird durch das unmittelbare Erreichen der Stellplätze von außen möglich. Die Stellplätze werden dabei in einer zentralen Spange entlang des Höhenversprungs gebündelt und von Westen erschlossen. Wünschenswert, jedoch nicht als Voraussetzung verstanden, wäre daher eine Anbindung der Sieben-Höfe-Straße an die Kreisstraße auf der Höhe des Friedhofs, ggf. zu einem späteren Zeitpunkt. Neben den Stellplätzen der Bewohner innerhalb des Parksockels befinden sich Stellplätze für Carsharing sowie ein Stellplatz für Pflege- und Lieferdienste im Zufahrtsbereich der Parkgarage. Ein weiterer Stellplatz für Pflege- und Lieferdineste befindet sich im Norden an der Sieben-Höfe-Straße. Neben dezentralen Fahrradabstellplätzen direkt an den jeweiligen Eingängen der Gebäude finden sich gedeckte Fahrradstellplätze am westlichen und nördlichen Zugang zum Quartier kombiniert mit einem zentralen Müllabstellplatz so dass das Müllfahrzeug nicht in das Quartier fahren muss.
Die Feuerwehrzufahrt erfolgt von Norden und führt am zentralen Platz als Stich nach Westen und Osten, womit alle mehr als dreigeschossigen Gebäude angefahren werden können.

Smart City
Das Konzept greift die Herausforderungen der Energiewende auf und setzt auf eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gebäude- und Mobilitätsinfrastruktur in Tübingen-Derendingen. Das Ziel ist ein „Smartes Quartier“ mit einer effizienten Energieversorgung und einem ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien. Hierzu werden möglichst viele Neubauten in Hybrid- oder Holzbauweise gemäß KfW Effizienzhaus 55 Standard oder besser errichtet.

Strom + Wärme
Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden u. a. durch eine Kombination mit extensiver Begrünung als Retentionsdach erreicht. Die Wärmeversorgung erfolgt über ein Nahwärmenetz, welches CO2-frei von den Stadtwerken Tübingen gespeist wird.

Ökologie
Die weitgehende Begrünung unter Einbeziehung von Dach- und Fassadenflächen schafft ein angenehmes Mikroklima und ist in Kombination mit dem auf Versickerung und Rückhaltung ausgerichteten Regenwassermanagement ein Beitrag zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung nach den Prinzipien der Schwammstadt. Die Gehölzbestände werden weitestgehend erhalten und in die Struktur der Freiraumgestaltung integriert. Zur Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität werden die Grünflächen als Wiesenflächen mit Wildblumen, Bereiche mit heimischen Sträuchern, Obst- und Beerengehölzen geschaffen bzw. diese zur Gestaltung der Grünbereiche verwendet. Die Multikodierung der Flächen fördert Naturerfahrung und Naturverständnis und das gleichberechtigte Nebeneinander von Mensch und Natur.

Städtebau


Am alten Güterbahnhof, Duisburg

Schuberthöfe, Köln

Leidenhausener Gärten, Köln

Sparkassanareal Cappeler Straße, Marburg

Frankfurter Nordwesten

Regnitzstadt Erlangen

Bühl III, Lörrach

Uni (kommt) in die Stadt, Siegen

Jüchen-West

Landpartie Landau

Stadtnest Neuperlach, München

Münchner Nordosten

Haunstetten Südwest, Augsburg

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen