Haunstetten Südwest, Augsburg

Entwicklung eines zukunftsweisenden Stadtteils

Projektpartner:
bbz landschaftsarchitekten
Obermeyer Planen + Beraten
EGS-plan Ingenieurgesellschaft

Wettbewerb 2019/20
Finalist

Bruttobauland: 200 ha

667.019 qm GF Geschosswohnen
87.420 qm GF Reihen-/ Doppelhäuser
78.431 qm GF Soziale Infrastruktur/Kultur
368.457 qm GF Gewerbe/Gastro/Einzelhandel
82.586 qm GF Parken

Der Entwurf ergänzt die Bandstadt im Augsburger Süden und fügt Ihr einen urbanen Knotenpunkt hinzu. Neben der dörflichen Urbanität um den Georg-Käß-Platz wird im Plangebiet eine neue Urbanität etabliert, welche sich vor allem von der bislang dominierenden Präsenz monofunktionaler Inseln, als pragmatisch aneinander gereihter Einzelhandelseinrichtungen im Gewerbekontext oder reinem Siedlungsbau unterscheidet. Die neue Urbanität verknüpft Mischung, Dichte und Landschaft. Es handelt sich um eine Urbanität, die dem Ort mit seinen landschaftlichen Potentialen gerecht wird, indem sie sich um eine grüne Mitte organisiert. Damit folgt der Entwurf dem Prinzip „Landscape first“, womit der hohe Anspruch an Nachhaltigkeit Evidenz erlangt.

Gliederung_Unter Einbeziehung des Bestands gliedert sich Haunstetten-Südwest in 4 Quartiere mit je eigenem Zentrum und direktem Zugang zur grünen Mitte. Durch die Gruppierung aller Quartierszentren um die grüne Mitte, verschmelzen diese zu einem größeren Ganzen - einem Stadtteilzentrum mit Bedeutung für den gesamten Augsburger Süden. Die Gliederung entspricht weitestgehend den Bauabschnitten, sodass die zentralen Funktionen sukzessive mitwachsen können und keine Torso-Situationen entstehen. Neben der Gliederung in 4 Quartiere ist jedes einzelne Quartier in 3 Bereiche mit je unterschiedlicher Widmung aufgeteilt, wodurch Nachbarschaften unterschiedlichen Charakters in überschaubarer Größe entstehen.

Mischung_Der neue Stadtteil ist vielgestaltig und besteht aus Elementen diverser Programmierung sowie unterschiedlicher Dichte. An zentraler Stelle verbindet sich die höchste Dichte mit dem intensivsten Grad an Nutzungsmischung. Hier verfügt fast jedes Haus über einen vertikalen Mix. Nach außen nehmen Dichte und Mischungsgrad ab, sodass eine funktionale und typologische Ausdifferenzierung stattfindet. Im Norden, Osten und Süden schließen Wohnhof-Strukturen an, wo sich verdichtete Eigenheime mit Geschosswohnungsbau abwechseln. An den äußersten Randlagen bieten Gewerbegebiete an der Inninger Straße und der neuen Föllstraße Adressen mit unmittelbarer Anbindung an die B17. Neben dem Kernbereich prägt das östlich gelegene Bildungs- und Begegnungsquartier Haunstetten-Südwest am stärksten. Es stellt die Verknüpfung mit der Königsbrunner Straße und den umgebenden Wohngebieten her. Dabei greift es die unterschiedliche Geschossigkeit der Nachbarschaft auf und vermittelt diese innerhalb der eigenen Struktur.

Alltag_Im Bildungs- und Begegnungsquartier bleiben alle bestehenden Nutzungen erhalten. Sie werden sich über die Jahre lediglich baulich transformieren bzw. erneuern. Gleich einer Perlenkette reihen sich in den Neubauquartieren alle wesentlichen Funktionen entlang einer Promenade des Alltags. Gemeint ist eine zentrale Achse für Fußgänger und Radfahrer, welche sich im östlichen Quartier (1. Bauabschnitt) von einem Auftaktplatz an der Königsbrunner Straße im Osten über einen informellen Platz mit sozialer Infrastruktur im mittig platzierten Wohngebiet bis zum Platz mit gastronomischen Angeboten an der grünen Mitte im verdichteten Westen zieht. In den anderen Quartieren fungiert die Promenade des Alltags analog als zentrales Rückgrat zur Verknüpfung der 3 Teilbereiche. Endpunkt ist in allen Fällen ein Platz im Zentrum mit je eigenem Blick in die grüne Mitte.

FREIRAUM

Grüne Mitte_Hier befindet sich unzweifelhaft das Herz des neuen Stadtteils mit einem zentral angelegtem Grundwassersee nebst Sonnenterrasse. Die Blickbeziehungen sind sehr vielfältig, weil sich der Landschaftsraum in diesem Bereich unterschiedlich verzweigt. Ein Ast führt nach Nordosten zum großen Binnenfreiraum mit Naturfreibad, Friedhof, bestehenden wie neuen Sportanlagen und einem solitär angelegten Schulcampus. Ein besonders breiter Ast führt nach Osten zum bestehenden Biotop, wonach sich dieser verjüngt und über den bestehenden Grünzug am oberen Feldweg und der Lupinenstraße eine Verbindung zum Haunstetter Wald herstellt. Ein weiterer Ast entwickelt sich nach Süden, womit u. a. die bestehende Weinsiedlung im äußersten Süden der Stadt in das Konzept integriert werden kann. Retentionsmulden begleiten diesen Freiraum von Süd nach Nord als eine von zwei zentralen Wasserachsen. Die Versickerungszonen befinden sich dort, wo die Bodenverhältnisse eine Versickerung zulassen.

Landschaftspark_Die wichtigste Anbindung der grünen Mitte stellt jedoch die unmittelbare Lage am westlich gelegenen Landschaftspark dar, welcher nur durch die B17 von der freien Landschaft getrennt ist. Der Landschaftspark ist topografisch gestaltet und beinhaltet auf der Hochterrasse sowohl einen gegliederten Lärmschutzwall wie informelle Sportflächen. Mit dem Landschaftspark können darüber hinaus wertvolle Ausgleichsflächen sichergestellt werden. Am Fuß der Hochterrasse entsteht die zweite Wasserachse, in der anfallendes Regenwasser aus den benachbarten Quartieren zurückgehalten, verdunstet und zum Teil versickert wird. Dieser Bereich ist größtenteils durch extensive Feuchtvegetation entlang der Hangkante gekennzeichnet. Von dort aus durchziehen schmale Grünzüge die Quartiere in Ost-West-Richtung um die Durchlüftung zu begünstigen, die Grünraumvernetzung zu unterstützen, die Quartiere zu gliedern und um attraktive Wegeverbindungen herzustellen.

Freizeit_Der Freiraum des Quartiers ist durch ein differenziertes Angebot an Spiel- und Sportplätzen für jung und alt gekennzeichnet. In regelmäßigen Abständen liegen diese an den Rändern der Grünzüge und markieren Hauptaufenthaltsbereiche. Neben Spielplätzen und Vereins- wie Schulsportanlagen, stehen informelle Sportflächen im Landschaftspark Anwohnern und Besuchern zur Verfügung. Diese werden lediglich als Mahtflächen innerhalb der extensiven Wiesenbereiche des Landschaftsparks angelegt. In die Lärmschutzwälle werden zudem stellenweise Sitzstufen eingeschnitten, die zu Rast und Aufenthalt einladen. Im Zentrum, in direkter Nähe zum Grundwassersee, befindet sich ein großer Erlebnisspielplatz als Attraktion für Familien und Kinder. Für die lokale Nahrungsmittelproduktion sowie zum urban gardening laden frei verteilte und identitätsstiftende Community Gärten im Quartier ein. Anwohner haben so die Möglichkeit neue Formen des lokalen Obst- und Gemüseanbaus auszuüben und werden stärker an das Quartier gebunden.

VERKEHR

Nahmobilität_Ein attraktives Fuß- und Radwegesystem ist der erste und wichtigste Schritt eines innovativen Verkehrskonzepts, bei dem der MIV keine dominierende Rolle spielt. Insofern wird hier zwischen der inneren und äußeren Erschließung unterschieden. Wesentliches Element der inneren Erschließung sind die Promenaden des Alltags. Es handelt sich um Orte des Austauschs, der Aktivität und des Verweilens mit unterschiedlichen Ausprägungen und Charakteristiken von grün bis urban - welche dem Leben in den Quartieren einen besonderen Charakter verleihen. Jede der 3 Achsen verfügt über 3 multimodale Verknüpfungspunkte mit der äußeren Erschließung und lässt sich darüber hinaus in die benachbarten Bereiche fortsetzen.

Vorrang ÖV_Die multimodalen Knotenpunkte bestehen aus der Verbindung von Tram-/Bushaltestellen und Quartiersgaragen mit E-Ladestationen, Car-Sharing-Angeboten und Packstationen. Neben der Verlängerung der Tram-Linien 2 und 3 wird ein Stich aus dem Gleisbett der Linie 3 vorgeschlagen, welcher beide Linien miteinander verbindet und die zukünftige Wendeschleife der Linie 2 mitnutzt. Zusätzlich wird im neuen Stadtteil eine Buslinie im Ringverkehr vorgesehen, welche im Norden über die Inninger Straße bis an den Bahnhaltepunkt Inningen herangeführt wird. Der MIV wird in einem hierarchisierten System durch den Stadtteil geführt. Ein wesentliches Element der Vorrangschaltung des ÖV liegt in der Konzentration aller Stellplätze in Quartiersgaragen.

NACHHALTIGKEIT

Smart City_Das Energiekonzept des Stadtteils greift die Herausforderungen der Energiewende im urbanen Raum auf und zielt auf eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gebäude- und Mobilitätsinfrastruktur im Augsburger Süden. Ziel ist das „Smarte Quartier“, das eine effiziente Energieversorgung und einen ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien beinhaltet. Hierzu werden möglichst viele Neubauten in Hybrid- oder Holzbauweise realisiert oder ausgestaltet, dass in Zukunft flexibel auf mögliche Nutzungsänderungen baulich reagiert werden kann. Neubauten werden hierbei im Standard KfW Effizienzhaus 55 oder besser gebaut.

Strom_ Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden durch eine Kombination mit extensiver Begrünung oder der Nutzung von Mäanderplatten bzw. samenfreiem Substrat erreicht. Der lokal erzeugte Solarstrom wird z.B. blockweise im Rahmen von Mieterstromprojekten zur Deckung des elektrischen Strombedarfs verwendet.
In den Energiezentralen der Gewerbegebiete erzeugen mit Biogas betriebene Blockheizkraftwerke zusätzlichen Strom für die Unternehmen und deren Fertigungsprozesse. Der lokal erzeugte Strom (PV, BHKW) soll über ein quartiersübergreifendes Energiemanagementsystem für die Gebäude und für die Mobilität in den Mobility-Hubs nutzbar gemacht werden. Energiespeicher in den Mobility-Hubs sorgen für eine hohe Stromeigenversorgung und genügend Leistung für die E-Mobil-Ladeinfrastruktur. Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien sollen in den Gewerbegebieten zur Wasserstoff-Herstellung in einem Elektrolyseur genutzt werden. Grüner Wasserstoff steht als emissionsfreier Treibstoff für die Buslinien zur Verfügung oder kann durch Wasserstoff-Tankstellen in den Gewerbegebieten auch für den Individualverkehr zugänglich gemacht werden.

Wärme_Die Wärmeversorgungstruktur leitet sich aus der Dichte und Nutzung des jeweiligen Quartiers bzw. Quartierbereichs ab. Für die zentralen verdichteten Gebiete, die Gewerbegebiete und das Bildungs- und Begegnungsquartier werden Niedertemperatur-Wärmenetze vorgeschlagen. Die Wärmenetze werden weitestgehend mit Wärme aus lokalen erneuerbaren Energieträgern betrieben. Bei den zentralen verdichteten Gebieten bietet sich eine Heizzentrale mit Tiefengeothermie-Nutzung an, die ergänzend mittels Wärmepumpen Umweltwärme aus dem Grundwassersee einsetzt. Bei den Gewerbegebieten kommen Wärmepumpen zum Einsatz, die Abwärme der Gewerbetriebe und Wärme aus Erdwärmesonden nutzen. Durch die intelligente Kopplung der Wärmeversorgung mit Erdwärmesonden kann über die gleiche Infrastruktur Kühlenergie im Sommer bereitgestellt werden. In den geringer verdichteten Wohngebieten wird auf ein Wärmenetz verzichtet. Dezentrale Wärmepumpen in den Gebäuden nutzen hierbei die Energie aus Erdwärmesonden für die Wärmeversorgung.

Ökologie_Die weitgehende Begrünung unter Einbeziehung von Dach- und Fassadenflächen schafft ein angenehmes Mikroklima und ist in Kombination mit dem auf Versickerung und Rückhaltung ausgerichteten Regenwassermanagement ein Beitrag zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Die Biotopflächen des Landschaftsraumes werden weitestgehend erhalten und in die Struktur der Freiraumgestaltung integriert. Die Multikodierung der Flächen fördert Naturerfahrungen sowie ein Naturverständnis, bei dem sich der Mensch als Teil eines größeren Ganzen versteht.

Städtebau


Uni (kommt) in die Stadt, Siegen

Jüchen-West

Landpartie Landau

Stadtnest Neuperlach, München

Münchner Nordosten

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen

Entwicklung Stellingen, Hamburg

Verbindung MARTa – Innenstadt, Herford

Ortsmitte Litzelstetten, Konstanz

Campus Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Nachverdichtung Josefsviertel, Moers

Ehemalige Bayernkaserne, München

Haagen-Belist, Lörrach

Bierstadt-Nord, Wiesbaden