Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Ausstellungs- und Nachnutzungskonzept
für die Landesgartenschau 2024

Ein Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit
A24 Landschaft und Holzer Kobler Architekturen

Wettbewerb 2019, 3. Preis

Bruttobauland gesamt ca. 15,2 ha
Nachnutzung ca. 130 Wohneinheiten

Die Ohne ist ein Element der Natur und zugleich Teil einer sich kontinuierlich verändernden Kulturlandschaft. Natur und Kultur überlagern und durchdringen sich, sodass sich das Eine vom Anderen kaum trennen lässt.

Die Gartenstadt Leinefelde steht für eine Fortsetzung dieses Prinzips. Die Bebauung passt sich in die fließende Struktur der Natur ein. Sie verdichtet sich am zentralen Platz punktuell urban und setzt damit ebenso Zeichen wie der in das Quartier hineingezogene Landschaftsraum. Es entsteht eine Stadtlandschaft die diesen Namen verdient und die Dichotomie von Natur und Kultur hinter sich lässt. Konkret stellt die Gartenstadt mit ihrer Gliederung in 5 Wohnhöfe einen aufgelockerten weichen Übergang von Stadt und Land her. Grüne Finger sorgen für eine Verzahnung mit der Landschaft und unterstützen das Prinzip der Höfe. Das Wohnen in Höfen fördert Aspekte des gemeinschaftlichen Lebens und bildet überschaubare Nachbarschaften aus. Die Mischung der verschiedenen Wohntypologien und Eigentumsformen erfolgt innerhalb der Höfe, um eine soziale Segregation zu vermeiden. Zentrum des neuen Quartiers ist ein Platz als informeller Treffpunkt. Er befindet sich am Schnittpunkt mehrerer Wegeachsen, die das neue Quartier mit seiner Umgebung verknüpfen.

GEBÄUDETYPOLOGIEN

Für die Gartenstadt sind unterschiedliche Wohntypologien mit flexiblen Grundrissen geplant: Geschosswohnungsbau, Reihenhäuser, Doppelhäuser, Einfamilienhäuser sowie ein Sondergebäude mit Quartierscafé. Die sich ergebende Nutzungsvielfalt bietet individuelle Wohnformen sowie eine Durchmischung von Generationen an. Das zeitgemäße Nutzungskonzept der Gartenstadt gestaltet einen fließenden Übergang von Urbanität und Landschaft.
Die klare Architektur der Wohnhäuser ist zurückhaltend und zeigt sich als feste Setzung im Städtebau. Durch die gegenseitige Ausrichtung sowie Staffelungen der Geschosse entsteht ein Bezug der Gebäude zueinander. Großzügige Fensterflächen verknüpfen Innen- und Außenraum.

Um den heutigen Ansprüchen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, sollen weitestgehend nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen.
Eine Vorfertigung der Gebäudeelemente verkürzt die Bauzeit. So ermöglicht eine Konstruktion aus Massivholzwänden und –decken sowie Fassadenelementen aus Holzrahmenbau eine schnelle Realisierung der Gartenstadt.
Vertikale Holzverkleidungen aus Fichtenholz, die mit einer farbigen Roggenmehlbeschichtung vor der Witterung geschützt sind, tragen als hinterlüftete Fassadenverkleidungen zu einem homogenen Erscheinungsbild des Quartiers bei. Durch die variierende Farbgestaltung ergibt sich eine Adressbildung und leichtere Orientierung.
Sämtliche Gebäude sind unterkellert. Der Geschosswohnungsbau ist mit einem kompakten, zentral angeordneten Treppenhaus barrierefrei erschlossen, von dem je Geschoss, drei bzw. vier Einheiten abgehen. Geplant sind 1,5- bis 4-Zimmer-Wohnungen mit jeweils einem Privatgarten bzw. einer Terrasse. Als besonderer Mehrwert soll eine Gemeinschaftsterrasse im 2. OG das Zusammenleben und die Interaktion der Bewohner fördern.
Die Grundrisse der dreigeschossigen Reihenhäuser werden durch eine offene Treppenstruktur gegliedert. Durch Schiebeelemente lassen sich Räume individuell zueinander schalten bzw. unterteilen, wodurch eine flexible Aufteilung der 5 Zimmer gegeben ist.
Auch die kompakten zweigeschossigen Doppelhäuser sowie die Einfamilienhäuser sind mit einer kompakten Treppe ausgestattet, welche die 4 Zimmer miteinander verbindet.

Mit einem innovativen Energiekonzept geht die Wohnungsbauplanung neue Wege. Mit solarer Nutzung, dynamischen Erdspeichern soll die Basis weitreichender CO2-Einsparungen geschaffen werden. Die Energie fürs Heizen und Kühlen wird durch Erdspeicher und Gebäudeabwärme generiert. Strom liefern verschiedene Solarstrom-Anlagen. Das übergeordnete Energie-Konzept ist die komplette Selbstversorgung mit Primärenergie für Heizung und Wasseraufbereitung als zukunftsweisendes Konzept.

GARTENBAND

Ein vorgelagertes Gartenband schafft einen subtilen Filter zwischen Landschafts- und Siedlungsraum. Vielfältige Raumfolgen verknüpfen private Gartenräume, gemeinschaftliche Wohnhöfe, quartiersbezogene Plätze und öffentliche Freiraumachsen miteinander und schaffen eine kleinteilige Hierarchie an Aufenthalts- und Begegnungsräumen im Quartier. Neben den Themen Naturschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung spielen auch insbesondere soziale Aspekte eine wichtige Rolle in der Konzeption der Freiräume für das neue Wohnquartier. Ungezwungene Begegnungsräume, interaktive Gemeinschaftsgärten und die Möglichkeit einer gesunden Nahrungsmittelproduktion auf lokaler Ebene stehen für einen zeitgemäßen urbanen Lebensstil, der Stadt mit Natur in Einklang bringt.

Extensive Wiesenfinger ziehen sich bis tief in das Wohnquartier hinein und schaffen einen weichen Übergang zur Landschaft durch eine inszenierte Abfolge unterschiedlicher Gartenthemen. Linien aus variierenden Obstbaumsorten unterstützen die Nord-Süd-Verzahnung.

Öffentliche Nutzungen wie Picknickdecks, Gemeinschaftsgärten und ein Spielplatz am östlichen Auftaktplatz werden in das Gartenband eingewoben und stärken die Ost-West-Verbindung. Die lineare Promenade definiert eine gebaute Kante zum Landschaftsraum der Ohne-Auen von deren erhöhtem Standpunkt sich interessante Ausblicke in den neuen Auenpark ergeben. Die Hauptdurchwegung für Radfahrer führt als langgezogene barrierefreie Rampe vom leicht erhöhten Stadtniveau hinunter zur hindernisfreien Unterquerung der Birkunger Straße.

Der ehemalige Ohne-Graben wird als zentraler Retentionsbodenfilter ausgebaut. Hier wird das Regenwasser über dezentral im Quartier verteilte Retentionsmulden gedrosselt zugeleitet und über eine belebte Bodenzone gefiltert an den renaturierten Bachlauf der Ohne abgegeben. Substrate mit verschiedenen Gräser- und Schilfarten sorgen ganzjährig für interessante Pflanzaspekte. Das Ingenieursbauwerk wird zu einem gestaltprägenden Element der Promenade mit Sitzstufen aus Beton.

AUENPARK

Der dichte, momentan nahezu undurchdringliche Auwald wird ausgelichtet und in Fragmenten erhalten, so dass ein interessantes Zusammenspiel zwischen dichten schattigen Baumhainen und offenen sonnigen Wiesenräumen entsteht. Ein Auenpfad zieht sich als mehrfach geknickte Linie durch den Wiesenraum, spielt mit der Nähe und Ferne zum Wasser und lenkt den Blick auf immer wieder neue Aspekte. Kleine platzartige Aufweitungen mit Sitzelementen und Picknickdecks betonen introvertierte Rückzugsorte in der Aue. Ein Freilandlabor mit Experimentierstationen schafft einen spannenden Ort am Wasser.

Der in seinem Bachbett verlegte und renaturierte Gewässerverlauf der Ohne wird stärker ins Zentrum des neuen Auenparks gerückt und zum erlebbaren Bestandteil der Parkgestaltung. Das Zentrum beider Parkteile wird durch eine Aufweitung der Ohne zu einem stimmungsvollen Sehnsuchtsort inmitten der wilden Auwiesen. Betont durch ein großmaßstäbliches Holzdeck, das Au-Podium, wird die Nähe zum Wasser inszeniert. Im Rücken eingewachsen durch das Feuchtbiotop öffnet sich der Blick auf die Wasserfläche mit Bachgärten.

WIESENPARK

Im Gegensatz zum Auenpark mit seinen dichten Baumclustern schafft der Wiesenpark einen weitläufigen Wiesenraum, gerahmt durch umlaufende Wegebänder. Der Eingangsplatz im Westen bildet den räumlichen Abschluss und ein wichtiges stadträumliches Gelenk zur Grünen Achse Leinefelde. Ein lichtes Baumdach aus Gleditsia triacanthos schafft einen markanten Fixpunkt am Ende des Parks, auch durch seine intensive herbstliche Blattfärbung.

Die südliche Übergangszone zur Bundesstraße B 247 wird durch ein dicht getaktetes Aktivband bespielt. Im Kontrast zu den ruhigeren gärtnerischen Nutzungen im Gartenband zwischen neuem Wohnquartier und Ohne-Auen wird das Aktivband mit geräuschintensiveren Freizeitnutzungen bespielt. Trendsportarten wie Skaten, Pump Track und Parcour werden mit Flächen für Fußball und Beachvolleyball ergänzt. Sitzelemente und Tribünen bilden die Verbindungsstücke. Vereinzelte gärtnerische Nutzungen werden ebenfalls in dieses Band eingewoben und erzeugen einen abwechslungsreichen Rhythmus, der durch die Obstgehölzreihen betont wird. Den Abschluss des Aktivbandes am Ufer der Ohne krönt der neue Bachspielplatz.

AUSSTELLUNGSKONZEPT

Die Gartenschau erhält einen zentralen Eingangsbereich rund um den zukünftigen Quartiersplatz innerhalb der neuen Gartenstadt. Busvorfahrten und temporäre Stellplätze werden in unmittelbarer Nähe angeordnet. Der zentrale Platz schafft ein starkes Gelenk innerhalb der Ausstellungsorganisation und erlaubt eine optimale Besucherführung. Direkt angeschlossen sind wichtige Highlights wie die Blumenhalle, die Hauptgastronomie, der Gärtnermarkt sowie die neue Mustersiedlung. Die Einteilung des zukünftigen Wohnquartiers in 5 eigenständige Einheiten erlaubt eine einfache Umsetzung des ersten Bauabschnitts zur Gartenschau.

In den zukünftigen Siedlungsfingern ordnen sich die überwiegende Anzahl der Ausstellungsbeiträge ein und erlauben somit bereits im Veranstaltungsjahr die deutliche Ablesbarkeit der späteren Siedlungsstruktur. Teile der späteren Gartenstrukturen werden in die Ausstellungsplanung übernommen und spiegeln in den Kleingärten der Zukunft zeitgenössische Trends im gemeinsamen Gärtnern wider. Die übergeordnete, dauerhaft angelegte Wegestruktur erlaubt Rundwege unterschiedlicher Länge. Gleichzeitig ergeben sich über die seitlichen Grünfinger unterschiedliche Themen-Routen.

Zwei zusätzliche Nebeneingänge verankern die Landesgartenschau in der Stadt. Der westliche Eingang knüpft an die Grüne Achse Leinefelde an und der östliche an der Birkunger Straße dient als direkte Verbindung zum Birkunger Stausee.

Der Veranstaltungsbereich mit Hauptbühne wird unmittelbar am Eingang West positioniert und nach Süden orientiert, abgewandt von den Wohnquartieren. Ein Biergarten ergänzt diesen Bereich und schafft einen zweiten Veranstaltungsschwerpunkt im Gartenschaugelände. Ergänzt durch den Trendsportbereich spricht dieser Parkabschnitt besonders Kinder, Jugendliche und Familien an.

Der Auenbereich wird zur Gartenschau bereits dauerhaft hergestellt und dient als ruhigeres naturnahes Verbindungsstück zwischen den beiden Aktiv-Polen. Das Au-Podium kann für kleinere Veranstaltungen z.B. zur Vermittlung von Umweltthemen genutzt werden. Im Wiesenpark werden die Flächen für Weidetiere untergebracht und unterstützen den landschaftlichen Charakter.

Die Gartenschau Leinefelde-Worbis 2024 setzt sich beispielhaft mit den neu zu definierenden Übergangszonen von Stadt und Landschaft auseinander und erprobt neue Lebensstile und Nutzungsformen. Im Zusammenhang mit den renaturierten Ohne-Auen entsteht ein atmosphärisch dichter Park für die angrenzenden Wohnquartiere und ein wichtiges Verbindungsstück zwischen Grüner Achse und Grüner Schleife bis zum Birkunger Stausee.

Städtebau


Münchner Nordosten

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Haunstetten Südwest, Augsburg

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen

Entwicklung Stellingen, Hamburg

Verbindung MARTa – Innenstadt, Herford

Ortsmitte Litzelstetten, Konstanz

Campus Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Nachverdichtung Josefsviertel, Moers

Ehemalige Bayernkaserne, München

Haagen-Belist, Lörrach

Bierstadt-Nord, Wiesbaden

Güterbahnhof Nord Baufeld A2, Freiburg

Wohnen an den Buckower Feldern, Berlin-Neukölln

IWZ FH Köln

Orschel-Hagen-Süd, Reutlingen