Stuttgart Schafhaus

Städtebaulichee Arrondierung
des Bezirks Mühlhausen in Stuttgart

Landschaftsarchitektur: silands
Verkehrsplanung: orange edge

Wettbewerb 2021

682 WE
26.000 qm GF Gewerbe

Verbindung
Der Entwurf sieht im weitläufigen Arrondierungsraum mehrere bauliche Schwerpunkte vor, welche die bestehenden Strukturen selbstverständlich ergänzen und die naturräumlichen Zusammenhänge erhalten. Konkret verknüpfen zwei Landschaftskorridore die Friedhofsvegetation mit dem äußeren Landschaftsraum. Bodennahe Kaltluft kann somit weiterhin von Norden und Nordosten zum Ortskern strömen, sodass weder die thermische Entwicklung, noch der Luftaustausch negativ beeinträchtigt werden. Die neue Bebauung passt sich in die fließende Struktur der Natur ein. Es entsteht eine Stadtlandschaft die diesen Namen verdient und die Dichotomie von Natur und Kultur ein Stück weit aufzuheben vermag.

Gliederung
Mit der Entwicklung des Schafhaus-Areals findet die Erweiterung von Stuttgart-Mühlhausen ihren nördlichen Abschluss. Der Entwurf komplettiert das bestehende Siedlungsgefüge und rundet dieses kompakt gegenüber dem umgebenden Landschaftsraum ab. Insofern kommt der Ausbildung von Siedlungsrändern und der Verzahnung mit der Landschaft große Bedeutung zu. Durch die Ausbildung der stadtklimatisch wertvollen Landschaftskorridore erfolgt zugleich eine Gliederung der Stadterweiterung in 3 überschaubare Quartiere.

Westquartier mit Schule
Im Westen ergänzt ein Quartier die bestehenden Bebauung im Winkel zwischen dem Weidenbrunnen und der Heidenburgstraße. An der Schnittstelle zum Bestand wird in der Verlängerung von Veit- und Wenzelstraße ein zentraler Platz vorgeschlagen, welcher zugleich die Adresse für ein Bürgerhaus und die neue Grundschule darstellt. Zusammen mit der Sporthalle bildet die Schule einen solitären Abschluss nach Osten. Dazwischen spannt sich ein Schulhof auf, in dessen Rücken die zum Fahrradparkhaus umfunktionierte Scheune liegt. Vom Schulhof öffnet sich der Blick nach Osten über die 2 Meter tiefer liegenden Sportanlagen weit hinein in die an den Friedhof anschließende Parklandschaft. Eine weitere Ausblicksituation ergibt sich vom nördlich gelegenen Landschaftsplatz als Abschluss der öffentlichen Spange. Hier wird eine weitere Scheune erhalten und als Jugendtreff umgewidmet.

Ostquartier mit Gewerbe
Im Osten schließt sich in Verlängerung der Schirmer- und der Breitschwertstraße ein Mischquartier mit Gewerbeschwerpunkt an. Die Wohnnutzung beschränkt sich aufgrund des Emissionsschutzes auf den nördlichen Bereich oberhalb der verlängerten Achse der Schirmerstraße. Das Ostquartier beginnt im Südosten mit einem Ankunftsplatz an der Aldinger Straße. Es handelt sich dabei um einen Geschäftsplatz als Bühne des Alltags. Haltestellen von Bahn und Bus, ein Mobilitätshub mit Quartiersgarage, ein Ärztehaus, Nahversorgung und weiteres Gewerbe beleben den Platz an Werktagen.

Nordquartier als Vermittler
Das Nordquartier fungiert als Bindeglied zwischen dem West- und dem Ostquartier. Mit Ausnahme einer Kita verfügt dieses Quartier lediglich über Wohnungsbau. Allseitig von Grün umgeben handelt es sich um eine attraktive Wohnlage. Neben der Haupterschließungsstraße werden die 3 Quartiere alternativ über die Schafhaussteige als zentrale Nahmobilitätsachse miteinander vernetzt. Die Schafhaussteige beginnt am Ankuftsplatz an der Aldinger Straße und verläuft von dort diagonal nach Nordwesten. Sie streift das Nordquartier bevor sie auf den Landschaftsplatz mit der Jugendscheune als Teil des Westquartiers mündet.

Identität
Die neuen Quartiere zeichnen sich durch eine wohldosierte Urbanität aus, welche die Komponenten Landschaftsbezug, Adressbildung, Gemeinschaft, typologische Vielfalt und Vernetzung miteinander verknüpft und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickelt. Zentrales Element der neuen Quartiere ist ein differenziert gestalteter Anger nördlich des Friedhofs, welcher sich über die Grünkorridore mit dem umgebenden Landschaftsraum verbindet. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Anbindung an das neue wie bestehende Wegenetz mit vielfältigen Ausblicken in die Landschaft des Neckartals.

Struktur
Die bauliche Struktur setzt sich primär aus einem Verbund von Wohnhöfen zusammen, um den Aspekt des gemeinschaftlichen Wohnens zu fördern. Die Gebäude erhalten eine zweiseitige Erschließung, sodass die Höfe mit Gemeinschaftsgärten im Zentrum aktiv durch die Nachbarschaft genutzt werden können. Die Mischung der verschiedenen Wohntypologien, Eigentumsformen und Finanzierungsmodelle erfolgt innerhalb der Höfe, um eine soziale Segregation zu vermeiden. Über die Einbeziehung von Baugruppen- und Mehrgenerationenprojekten wird der Zusammenhang des gemeinschaftlichen Wohnens weiter begünstigt. Die typologische Diversität erzeugt hinsichtlich der Geschossigkeit ein Spektrum von II – V, wofür eine spezifische städtebauliche Ordnung vorgeschlagen wird.

Phasierung
Die Realisierung der neuen Quartiere lässt sich entsprechend der baulichen Gliederung in 3 Bauabschnitte unterteilen. Der erste Bauabschnitt umfasst das Westquartier mit der Schule und den Bau der Erschließungsstraße. Der zweite Bauabschnitt ergänzt Mühlhausen im Osten mit dem gewerblich geprägten Ostquartier. Erst im 3. Bauabschnitt erfolgt die Realisierung des Nordquartiers. Alle Quartiere verfügen über Kitas, sodass die soziale Infrastruktur sukzessive mitwachsen kann.

Äußere Erschließung
Ausgehend von der Zufahrt an der Aldinger Straße ergibt sich eine Haupterschließung, welche zentral durch die Quartiere führt und im Westen an die nach Kornwestheim führende Heidenburgstraße anschließt. An beiden äußeren Enden der Haupterschließung wurden Quartiersgaragen mit privaten und öffentlichen Stellplätzen sowie Car-Sharing-Angeboten vorgesehen, wodurch sich die Ziel- und Quellverkehre in den Quartieren deutlich reduzieren lassen und der ruhende Verkehr nicht die Stadträume bestimmt. Ziel ist ein für den Ort minimierter Individualverkehr. Möglich wird dies durch einen optimierten Umweltverbund mit einer Buslinie, welche den U-Bahn-Haltepunkt an der Aldinger Straße mit Kornwestheim durch die Quartiere verknüpft.

Quartiersshuttle
Ergänzend dazu wird ein autonomer Quartiersshuttle zur Feinanbindung vorgeschlagen. Er kann im vorhandenen Straßennetz fahren und bedarfsgerecht insbesondere ältere Passagiere bis vor die Haustüre bringen. Der Shuttle ist flexibel nicht nur im Quartier - er kann perspektivisch den gesamten Ort erschließen und eine neuartige Last-Mile Anbindung im öffentlichen Nahverkehr herstellen. In diesem Sinne ist der Shuttle eine sinnvolle bedarfsorientierte Ergänzung zum bestehenden fahrplanbasierten Bussystem und ein Gewinn für den gesamten Ort. Aufgrund des Shuttleangebots verzichtet der Entwurf auf ein alternatives Verkehrsmittel zur Überwindung des Höhenunterschieds.

Schafhaussteige
Mit der Schafhaussteige wird ein traditionelles wie charakteristisches Element eingeführt, welches den Anstieg inszeniert. Bei Bedarf ließe sich in der Achse der Steige ebenso eine Seilbahn integrieren. Die Steige ist in ein dichtes Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer mit optimalen Anschlüssen an die bestehenden Stadtquartiere, Schulen und Kindergärten eingebunden, aber auch an die überregionalen Wege im Landschaftsraum.

Schafhauspark
Das Fuß- und Radwegenetz ist untrennbar mit den öffentlichen Freiräumen verknüpft. Hierbei kommt dem Anger nördlich des Friedhofs die Funktion eines zentralen Gelenks zu. Es handelt sich um eine informell ausgeprägte grüne Mitte des Quartiers. Zusammen mit den Landschaftskorridoren entsteht ein Park, welcher durch die Nachbarschaft zum Friedhof und den Schulsportflächen sowie durch die Ausblicke in die Landschaft großzügiger wirkt als er ist. Baumneupflanzungen mit Baumsolitären gliedern den zentralen Anger, sowie die hiervon ausgehenden grünen Korridore. Im Park und auf den Platzflächen sind Langbänke verortet, die zur Rast und zum Aufenthalt einladen. Die Parkflächen sind naturnah gestaltet und mit einer wegebegleitenden offenen Regenwasserführung versehen. Die Oberflächenentwässerung der Straßenräume und Platzflächen wird in die begleitenden mit Bäumen bestandenen Mulden geleitet. Im Bedarfsfall (Starkregenereignisse) dienen weitere Flächen in den Grünräumen dem Regenwasserrückhalt und damit der Entlastung des öffentlichen Kanalnetzes.

Smart City
Das Konzept greift die Herausforderungen der Energiewende auf und setzt auf eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gebäude- und Mobilitätsinfrastruktur in Stuttgart-Mühlhausen. Das Ziel sind „Smarte Quartiere“, mit einer effizienten Energieversorgung und einem ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien. Hierzu werden möglichst viele Neubauten in Hybrid- oder Holzbauweise gemäß KfW Effizienzhaus 55 Standard oder besser errichtet.

Strom + Wärme
Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die erforderlichen Retentionsqualitäten werden u. a. durch eine Kombination mit extensiver Begrünung erreicht. Die Wärmeversorgung erfolgt über ein Nahwärmenetz, welches durch die Abwärme der Kläranlage gespeist wird.

Ökologie
Die weitgehende Begrünung unter Einbeziehung von Dach- und Fassadenflächen schafft ein angenehmes Mikroklima und ist in Kombination mit dem auf Versickerung und Rückhaltung ausgerichteten Regenwassermanagement ein Beitrag zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Die Gehölzbestände des Landschaftsraumes werden erhalten und in die Struktur der Freiraumgestaltung integriert. Zur Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität sind den Grünkorridoren unterschiedliche Entwicklungsvorschläge zugeordnet. Diese reichen von Obst- und Beerengärten, über Flächen für ökologisch hochwertigen Anbau, Energiegrasfelder bis hin zu Bienenweiden und Obsthainen. Die Multikodierung der Flächen fördert Naturerfahrung und Naturverständnis und das gleichberechtigte Nebeneinander von Mensch und Natur.

Städtebau


Köln-Kreuzfeld: 4 Quartiere – ein Veedel

Am Sandhaus, Berlin-Buch

Breewiese Marl

Metro-Campus Düsseldorf

Gallus-Quartier, Tübingen-Derendingen

Am alten Güterbahnhof, Duisburg

Schuberthöfe, Köln

Leidenhausener Gärten, Köln

Sparkassanareal Cappeler Straße, Marburg

Frankfurter Nordwesten

Regnitzstadt Erlangen

Bühl III, Lörrach

Uni (kommt) in die Stadt, Siegen

Jüchen-West

Landpartie Landau

Stadtnest Neuperlach, München

Münchner Nordosten

Haunstetten Südwest, Augsburg

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven