Uni (kommt) in die Stadt, Siegen

Verlagerung der Fakultäten I und II
in die Kernstadt

Landschaftsarchitektur: GM013

Wettbewerb 2020
2. Preis

Campus Nord: 35.810 qm BGF
Campus Süd: 30.087 qm BGF

 

Die Universität Siegen erweist sich und der Stadt mit der Verlagerung von 3 großen Fakultäten in die Innenstadt einen großen Dienst. Die Synergien sind vielfältig und liegen auf beiden Seiten. Der Campus Unteres Schloss überlagert sich mit dem Geschäftszentrum der Oberstadt und revitalisiert diesen Standort in optimaler Weise. Städtisches und studentisches Leben greifen ineinander. In den Cafés und auf den Plätzen der Stadt wird gelesen, am Laptop gearbeitet oder diskutiert. Wissenschaft und Forschung bilden sich viel stärker als zuvor in der Stadt ab und werden Teil der städtischen Identität.

Mit dem Einzug der Fakultät 3 in das untere Schloss und dem Einbau eines Hörsaalzentrums in das Karstadtgebäude ist der Auftakt der Verlagerung gelungen. Nun kommen mit den Neubauten der Fakultät 1 sowie eines weiteren Hörsaalzentrums im Norden an der Friedrichstraße und den Neubauten der Fakultät 2 im Süden am Löhrtor weitere Flächen hinzu, sodass sich die universitären Einrichtungen vom nördlichen Fuß des Siegbergs über das Schloss in der Oberstadt bis zum südlichen Fuß des Bergs an der Weiß verteilen. Die bewegte Topografie schafft Herausforderungen betreffend der Barrierefreiheit, gibt den Standorten damit aber auch einen besonderen Reiz und einen eigenen Charakter.

Vernetzung
Der Entwurf unterstützt dabei sowohl die Vernetzung der einzelnen Einrichtungen, wie auch die Diversität und Vielfalt der Orte und Inhalte. Hinsichtlich der Vernetzung werden zahlreiche neue Wegeverbindungen zwischen den Standorten vorgeschlagen. Aufgrund der mittels Rampen an vielen Stellen unüberwindlichen Topografie, handelt es sich teilweise um Treppenanlagen, die für die meisten Studierenden deutliche Abkürzungen herstellen und die Standorte im Zusammenhang lesbar werden lassen. Die 3 Campus-Standorte sind in ihrem Nahbereich wiederum vollständig barrierefrei, auch wenn in Ausnahmefällen die innen liegenden Aufzüge dazu herangezogen werden müssen. Zum Teil ergeben sich völlig neue - nie dagewesene Beziehungen. Beim Campus Unteres Schloss Nord zum Beispiel von der Hindenburgstraße, welche zunächst als reine Fußgängerstraße bis zur Friedrichstraße fortgeführt wird, um dort auf einen Campusplatz zu münden, bevor man den Weg über eine große Freitreppe fortsetzt, welche in der Oberstadt an die Axeswende anschließt. Beim Campus Unteres Schloss Süd sind die Verbindungen weniger spektakulär, dafür werden zwischen dem Ufer an der Weiß, dem Häutebachweg und dem Obergraben gleich mehrere neue Verbindungen hergestellt.

Campus Unteres Schloss Nord
Die Fakultät 1 ergänzt den zu erhaltenden Bestand zwischen Sand- und Friedrichstraße nahezu im Sinne einer Stadtreparatur. Etwas selbstbewusster schmiegt sich das Hörsaalzentrum als raumbildender Solitär an das Gebäude der ehemaligen Textilfabrik, welches weitere Nutzungen der zentralen Lehre aufnimmt.

Erschlossen wird das Ensemble unter anderem durch eine großzügige Öffnung mit einem Hochpunkt als Auftakt aus Richtung Bahnhof von der Hindenburgstraße. Von hier aus führt eine urbane Promenade als Verlängerung der Hindenburgstraße auf den Sonderbaukörper des Hörsaalzentrums zu. Vorgelagert befindet sich einer der 3 zentralen Campusplätze. Von dort aus gelangt man über eine großzügige Freitreppe auf die Ebene der Siegbergstraße. Die barrierefreie Höhenüberwindung erfolgt gebäudeintern.

Neben dieser öffentlichen Wegeverbindung zur Oberstadt gelangt man von der urbanen Promenade unter anderem über einen großzügigen Durchgang im mäandrierenden Fakultätsgebäude in einen halböffentlichen Hof mit kontemplativeren Charakter. Dieser Campusgarten ist Ort des Austauschs, des Lernens im Freien, aber auch ein Ort für Veranstaltungen. Das Niveau des Hofes liegt auf der Höhe der Friedrichstraße, da sich unter dem östlichen Teil der Fakultät 1 einschl. des Hofes ein halb versenktes Parkgeschoss befindet, das von der Juliusstraße aus angefahren wird. Durch das eingeschobene Parkgeschoss ist der westliche Teil der Promenade als barrierefreie Rampe mit Anbindung an das Niveau der Sandstraße ausgebildet.

Die Nutzungsverteilung der Fakultätsräume ist so angeordnet, dass die Lehrbereiche mit den größten Synergien zu Clustern zusammengefasst sind, welche ihrerseits zueinander kurze Wege aufweisen. So wird ein optimaler interdisziplinärer Austausch im Sinne des Selbstverständnisses der Universität Siegen ermöglicht.

Der Neubau des Hörsaalzentrums verfügt zusammen mit der einstigen Textilfabrik über ein zentrales Verbindungsstück mit großzügigem Eingang vom Platz. Im 2. OG bietet sich über die in das Gebäude eingeschnittene Freitreppe eine zusätzliche Erschließungs- und Entfluchtungsmöglichkeit. Während im Bestandsgebäude ausschließlich Seminarräume untergebracht sind, beinhaltet der Neubau neben den Hörsälen weitere Seminarräume - verteilt über die verschiedenenen Ebenen, sodass eine attraktive Lernlandschaft entsteht, in der auch informeller Austausch und spontaner Aufenthalt etwa zur Überbrückung zwischen den Lehrveranstaltungen ermöglicht wird.

Campus Unteres Schloss Süd
Der zukünftige Standort der Fakultät II ist geprägt von solitären Volumina, die an das Ufer der Weiß stufenweise heranrücken und zugleich genug Raum lassen, um eine belebte wie resiliente Uferkante zu schaffen. Die Fakultät II unterscheidet sich von der Fakultät I und den anderen Standorten nicht nur in ihrer Nutzung, sondern auch durch die örtlich vorgefundenen Gegebenheiten. Die gewählten Typologien und Gestaltungsmerkmale reflektieren diese besonderen Eigenarten auf unverkennbare Art. So präsentiert sich der öffentlichkeitswirksamste Baukörper als Haus der Künste mit den Lehrbereichen Architektur, Kunst und Musik auf dem Grundstück des ehemaligen Hallenbads sowohl als Stadtraum bildende Kubatur, wie als skulpturale Figur. Die auskragenden Bauteile haben dabei mehrere Funktionen - sie schaffen zum einen ein hohes Maß an öffentlicher Wahrnehmbarkeit und nutzbare Flächen in den Obergeschossen bei maximaler Durchlässigkeit im öffentlichen Raum. Gemeinsam mit dem Standort auf der Westseite der Straße Löhrtor entsteht eine harmonische Ensemblequalität.

An der Kreuzung Löhrtor/Häutebachweg empfängt der Campus seine Gäste von Norden mit einer Entréesituation, zumal hier eine der neuen Treppenanlagen vom Obergraben aus anbindet. Die großen Bestandsbäume sollen dabei integriert werden und den Charakter des Ankunftsortes unterstreichen. Eine weitere Außentreppe führt von hier aus durch die Fuge im Gebäudekomplex Bildungswissenschaft/Sozialpädagogik/Psychologie auf die tief liegende Campusfläche an der Weiß. Hier laden großzügige Sitzstufen am Wasser zum Verweilen ein und machen die Weiß zugänglich und erlebbar. Zugleich dient dieser Bereich als Retentionsfläche bei Hochwasserereignissen sowie in den weniger zugänglichen Bereichen als zunehmend naturnahes Ufer mit ökologischen Funktionen. Die sich oberhalb der Böschung aufspannenden Freiflächen bilden einen räumlich differenzierten Lerncampus mit hohen Aufenthaltsqualitäten.

Die Fakultätsräume sind entsprechend der Lehr- und Forschungsbereiche auf beiden Seiten des Löhrtors klar gegliedert. Die Seminarräume verteilen sich hingegen auf die beiden Gebäudekomplexe, sodass kurze Wege gewährleistet sind. Der Baukörper auf dem Grundstück des ehemaligen Hallenbads ist aus kleinteiligen Kuben additiv komponiert. Er verfügt im EG über ein großzügiges Foyer mit multifunktionaler Sitztreppe, welche sich über mehrere Geschosse erstreckt und von oben mit Tageslicht versorgt wird. Die hier situierten Räume des Bereiches Architektur sind nutzungsflexibel angelegt und können zu Zwecken des Modellbaus, der Präsentation, der Projektarbeit etc. genutzt werden. Insbesondere durch partielle Trennwandsysteme können Räume unterschiedlicher Größe flexibel gestaltet werden. Zum südlich gelegenen Ufer der Weiß werden durch großzügige Öffnungen Bezüge hergestellt, wodurch das Wasser auch hier zu einem erlebbaren Element wird.

Step 2 - Zukunftsvision 2040
Insbesondere nach dem Umzug der Fakultäten ins Zentrum wird der Bedarf an studentisch geprägten Nutzungen in der Innenstadt steigen. Es ist eine Renaissance der Kernstadt zu erwarten, im Speziellen auch eine Wiederentdeckung der Oberstadt als kommunikatives und ökonomisches Bindeglied der beiden neu angesiedelten Fakultäten. So wird etwa eine ergänzende Verbindung von der Siegbergstraße zur Hinterstraße vorgeschlagen, um einen gänzlich neuen promenadologischen Ringschluss zu etablieren.

In städtebaulicher Hinsicht wird im Norden das Prinzip des sensiblen Weiterbauens weiterverfolgt, etwa durch einen Lückenschluss an der Juliusstraße mit studentischem Wohnen. Auch im Süden wird durch die Umnutzung des Gebäudes der Siegener Zeitung und den Abbruch des Postgebäudes zusätzlicher Raum für studentisches Wohnen in optimaler Lage geschaffen. Im Bereich Sandstraße 22 bzw. Friedrichstraße 21 wird darüber hinaus durch die Umnutzung zu Co-Working/Start Ups ein Inkubator der wirtschaftlichen Entwicklung implementiert, sodass Theorie und Praxis miteinander verzahnt werden können. Insgesamt besteht die einmalige Chance, dass durch die universitären Nutzungen in Vergessenheit geratene Orte wiederentdeckt, wiederbelebt und in einer Weise neu interpretiert werden, die wir angesichts der heutigen Bestandssituation nur erahnen können.

Städtebau


Jüchen-West

Landpartie Landau

Stadtnest Neuperlach, München

Münchner Nordosten

Haunstetten Südwest, Augsburg

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen

Entwicklung Stellingen, Hamburg

Verbindung MARTa – Innenstadt, Herford

Ortsmitte Litzelstetten, Konstanz

Campus Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Nachverdichtung Josefsviertel, Moers

Ehemalige Bayernkaserne, München

Haagen-Belist, Lörrach

Bierstadt-Nord, Wiesbaden