Blaugrüner Ring Düsseldorf

Räumliche und konzeptionelle Aufwertung
der Düsseldorfer Innenstadt
zur Vernetzung der Kultureinrichtungen

Landschaftsarchtektur:
bbz landschaftsarchitekten

Wettbewerb 2019

 

Plangebiet: ca. 158 ha

Der Blaugrüne Ring bringt in seiner Verbindung von Kultur und Natur zwei große Sphären des menschlichen Lebens in Position. Kultur und Natur nicht als Gegensatz, sondern als unzertrennliche Einheit zu begreifen, ist heute nicht nur ein wichtiger Standpunkt in der zeitgenössischen Philosophie, sondern war auch schon Gestaltungsschwerpunkt im Werk von Maximilian Friedrich Weyhe. So kombinierte Weyhe bereits früh strenge Geometrien mit den weichen Formen der englischen Landschaftsgärten, sodass seine Parkanlagen von großer Vielfalt geprägt waren. Umso leichter fällt heute der Umgang mit seinem kulturellen Erbe. Die von Weyhe in Düsseldorf umgesetzten Planungen eignen sich daher vortrefflich als Grundlage für die Zielsetzungen des Blaugrünen Rings. Ziel des Konzeptes ist es, die durch Weyhe geschaffenen Grundstrukturen als Park- und Kulturlandschaft in ihrer Eigenheit und Präzision wiederherzustellen, zu stärken, weiter zu entwickeln und stärker erlebbar zu machen. Und somit den Blaugrünen Rings als Grundstruktur für eine stadtraumvernetzende Kunst- und Kulturlandschaft zu schaffen. Die Raumkanten der Planung Weyhe's werden zur räumlichen Einheit und Erlebbarkeit gestärkt und wo sie zerstört sind, ergänzt und wiederhergestellt. Die bestehenden Grünräume, zum Teil räumlich getrennt, werden wieder verbunden und verloren gegangene Elemente der Freiraumstruktur Weyhe's als wichtige Bindeglieder zeitgemäß interpretiert. Der Blaugrüne Ring als räumliche Einheit und Fassung der Altstadt bildet eindeutige und deutliche Zugänge, bzw. Öffnungen zur Altstadt aus und bietet Orientierung im Stadtraum. Der Blaugrüne Ring als Vernetzung und Verschmelzung der Kunst- und Parklandschaft zu einer einzigartigen Kulturlandschaft. Der Kulturloop innerhalb der Park- und Kulturlandschaft verbindet und stärkt die kulturellen Einrichtungen räumlich und virtuell. Drei Schritte der Vorgehensweise lassen sich ableiten: Im ersten Schritt werden zahlreiche Elemente der ursprünglichen Weyhe-Planung aufgegriffen und räumlich neu interpretiert, sofern sie einer zwischenzeitlichen Überformung zum Opfer gefallen waren. Dazu zählt beispielsweise die Wegeführung im westlichen Bereich des Hofgartens. Im zweiten Schritt wird die Weyhe-Planung mit den Überformungen harmonisiert, welche sich als irreversibel und sinnvoll erwiesen haben. Im dritten Schritt werden neue Setzungen vorgenommen, welche primär der besseren Verknüpfung dienen. Dabei spielt die Einbindung der bestehenden Kulturinstitutionen in das zentrale Stadtgefüge die größte Rolle. Zusammen sind alle vorgeschlagenen Maßnahmen darauf ausgelegt den Blaugrünen Ring räumlich zu stärken, weiter zu entwickeln und die Wahrnehmung und Erlebbarkeit des Rings zu stützen. Konkret lassen sich folgende Maßnahmen in den 4 Teilbereichen zusammenfassen:

Blickpunkt West
Durch die Realisierung des Tunnels und dem Bau der Rheinuferpromenade hat dieser Bereich bereits in den 90er Jahren eine große Aufwertung erfahren. Der Schwerpunkt liegt heute daher auf Ergänzungen. Im Süden wird auf der Höhe der Wiese am Kit ein Badeschiff vorgeschlagen, sodass die Wiese in diesem Zusammenhang als Liegewiese genutzt werden kann. Im Norden soll die Tunneleinfahrt verlegt werden, wodurch sich die Grünfläche an der Reuterkaserne bis an die Oberkasseler Brücke vergrößert. In Analogie zum größten alljährlichen Event an der Promenade wird die Wiese mit vielen japanischer Kirschbäume bepflanzt und damit als Japanwiese gewidmet. Zur Kirschblüte im April soll die Wiese die Menschen zum O-Hanami einladen.

Blickpunkt Nord
Der Rheinufertunnel wird bis zum Beginn des Rheinparks Golzheim nach Norden verlängert, sodass sich für Fußgänger und Radfahrer die lärmbelastete Lücke zwischen Rheinuferpromenade und Rheinpark Golzheim schließt. Gleichzeitig ermöglicht die Verlängerung einen Anschluss des Hofgartens und des Ehrenhofs an den Rhein, wodurch sich der Blaugrüne Ring im Norden schließt. Westlich des NRW-Forums und der Tonhalle entsteht eine großzügige Terrassenfläche mit einer vorgelagerten Treppenanlage zum Rhein. Die Terrassenfläche steht im Sommer für gastronomische Nutzungen zur Verfügung beispielsweise als Biergarten, soll aber auch weiterhin für Events und Märkte (Marathon-Start, Fischmarkt, Frühlingskirmes) genutzt werden. Das unmittelbar angrenzende Rheingärtchen bleibt erhalten und erfährt durch die Tunnellösung eine enorme Aufwertung als ruhiges Kleinod. Nördlich des Ehrenhofs findet eine städtebauliche Arrondierung in Anlehnung an die Konzeption für die GeSoLei von 1926 statt. In Verlängerung der westlichen Nord-Süd-Flucht des Ehrenhofs folgt zunächst ein flacher Gastronomie-Pavillon, bevor gegenüber des geschwungenen Risalits der Rheinterrasse eine große Öffnung formuliert ist. Es folgt ein Hotelkomplex mit Veranstaltungsräumen in Ergänzung zur Rheinterrasse. Die Hotelzimmer befinden sich im turmartigen Abschluss nach Norden. In zweiter Reihe hinter dem Hotel wird als Erweiterung des Museums Kunstpalast ein Kunstdepot als Schaulager vorgeschlagen. Der Eingang hierzu erfolgt von Süden unmittelbar über die verlängerte Zentralachse des Ehrenhofs. Im Innern des Ehrenhofs fungiert ein kleiner Pavillon mit Gastronomie und zentralem Ticketverkauf als städtebauliches Gelenk. Der Pavillon stellt einen Abschluss der östlich angrenzenden Straßenräume her, vermittelt aber in erster Linie zwischen Ehrenhof und Hofgarten und schafft einen fließenden Übergang. Der Betriebshof der Stadtgärtnerei wird auf die Südseite der Hofgartenrampe verlegt und befindet sich dort in direkter Nachbarschaft zu den neu angelegten Akademiegärten. Die Fritz-Roeber-Straße verkürzt sich an dieser Stelle auf den östlichen Abschnitt und verläuft nun über den bisherigen Parkplatz vor der Staatsanwaltschaft. Die Erschließung der Kunstakademie und der nördlichen Altstadt erfolgt über die nach Norden verlängerte Eiskellerstraße. Diese erhält eine Zufahrt von der verkürzten Oederallee sowie eine Ausfahrt auf die verkürzte Fritz-Roeber-Straße. Die Erschließung der Tonhalle erfolgt analog mit einem Stich bis zur heutigen Vorfahrt. Eine weitere Fußgängerunterführung mit Anbindung an die Stadtbahnhaltestelle Tonhalle in Verlängerung der Reuterkaserne verschafft der Tonhalle und dem gesamten Ehrenhof eine bessere Anbindung an die Altstadt.

Blickpunkt Ost
Im östlichen Bereich litt der Hofgarten und damit der Blaugrüne Ring in der Vergangenheit besonders stark an der Zerschneidung durch Verkehrsachsen. Seit dem Bau der Kö-Bogen-Tunnel hat sich die Lärmbelastung im Bereich der Landskrone reduziert. In Ergänzung zu diesem Eingriff werden weitere Maßnahmen vorgesehen: Die Reduzierung der Maximilian-Weyhe-Allee von 5 auf 4 Spuren und die Sperrung der Jacobistraße für den motorisierten Individualverkehr. Mit der Sperrung der Jacobistraße für den MIV verbleiben dort nur noch die Straßenbahn und der Fuß- und Radverkehr, sodass eine erhebliche Reduzierung des Profils angestrebt wird und der Malkasten wieder mit dem Hofgarten zusammenwächst. Die Sperrung der Jacobistraße ist möglich, da der Autoverkehr zwischen Prinz-Georg-Straße und Oststraße über die Pempelforter Straße und dem Teilstück Am Wehrhahn aufgefangen werden kann. Ein Nebeneffekt der oben beschriebenen Einschränkungen ist die Reduzierung der Verkehrsbelastung auf der Jägerhofstraße bei gleichem Querschnitt. Hierdurch wird der östliche Abschnitt des Hofgartens akustisch stark beruhigt. Im neu gebauten Musikpavillon können regelmäßig Konzerte ohne störenden Straßenlärm stattfinden. Das Goethemuseum kann sich im Schloss Jägerhof stärker zum Park öffnen, zumal die Reiterallee nun wieder unmittelbar vor dem Schloss endet, sodass die ursprüngliche Verbindung wieder Evidenz erlangt. Das ehemalige Theatermuseum erhält eine gastronomische Nutzung, wodurch der Hofbereich in den Sommermonaten aktiv bespielt werden kann.

Blickpunkt Süd
Im Süden wird der Zusammenhang des Blaugrünen Rings ebenfalls gestärkt und dabei neu geordnet, indem eine signifikante Verbindung zwischen Schwanenspiegel und Speeschem Graben hergestellt wird. Im gleichen Zuge wird durch den Rückbau des westlichen Teilstücks der Haroldstraße eine Grünverbindung vom Schwanenspiegel zum Horionplatz und zum Johannes-Rau-Platz und damit bis zur Wiese am Kit vorgeschlagen. Die durchgängige Grünverbindung schafft den Ringschluss im Süden.
Die MIV-Verkehrsanbindung erfolgt nun weiter südlich durch das neue Quartier auf dem Grundstück des ehemaligen Innenministeriums. Es handelt sich dabei um eine Einbahnstraße, welche von der Kavaleriestraße aus in nördlicher Richtung angefahren wird. Fahrzeuge aus südlicher Richtung nutzen die Gelegenheit zum U-Turn an der Wasserstraße und können daher auch in das neue Quartier einfahren. Der Verkehr in Gegenrichtung nutzt die Hubertusstraße südlich der Rheinkniebrücke, sodass alle Fahrtrichtungen zwischen Neusser Straße / Berger Allee und Kavaleriestraße möglich sind. Das neue Quartier versteht sich als Teil des Regierungsviertels und orientiert sich funktional zunächst am Flächenbedarf das Landes NRW. Ergänzende Nutzungen wie Hotel und Wohnen wären zur Belebung des Quartiers wünschenswert. Zentrum des neuen Quartiers ist ein Platz, welcher sich nach Norden zum Speeschen Graben und zur Stadtkante entlang der Poststraße öffnet. Eine neue Brücke führt von hier aus zum Stadtmuseum und damit Richtung Altstadt. In entgegen gesetzter Richtung entsteht eine neue Wegeverbindung zum K21. Am Schwanenspiegel wird die Caféterrasse wiederhergestellt und es entsteht ein Ruderbootverleih. Bei der Verknüpfung von Schwanenspiegel und Speeschem Graben wird auch der Wasserlauf geöffnet und man kann nun mit dem Ruderboot bis zum Stadtmuseum fahren.Der Blaugrüne Ring als facettenreiche Kunst- und Kulturlandschaft ist damit so vielfältig wie die Stadt selbst. Um die Attraktivität der Kulturinstitutionen zu stärken den Zusammenhang auch für Besucher mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Erwartungshorizonten und verschiedene Altersgruppen erfahrbar werden zu lassen wird ein neues CI und Leitsystem und damit Dachmarke zur Vermittlung der zahlreichen kulturellen und künstlerischen Institutionen und Inhalte vorgeschlagen. Beim Leitsystem greifen analoge und digitale Elemente ineinander. Somit ist der Kulturloop keine baulich durchgängige Verbindung, sondern eine Abfolge von wiederkehrenden Kultur- und Freiraumelementen unterschiedlicher Funktion in gleichem Corporate Identity der Dachmarke der Kultureinrichtungen. Linear wird der Loop erst durch die Augmented Reality App. Zusätzlich eröffnet diese Technik viele Möglichkeiten die digitale Welt mit dem städtischen Freiraum zu verknüpfen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung des Themenkomplexes Kunst und Kultur, sondern auch um Interaktion und die Fortschreibung des Blaugrünen Rings für Düsseldorf in die Zukunft.

Städtebau


Münchner Nordosten

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Der neue Stöckach, Stuttgart

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Haunstetten Südwest, Augsburg

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen

Entwicklung Stellingen, Hamburg

Verbindung MARTa – Innenstadt, Herford

Ortsmitte Litzelstetten, Konstanz

Campus Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Nachverdichtung Josefsviertel, Moers

Ehemalige Bayernkaserne, München

Haagen-Belist, Lörrach

Bierstadt-Nord, Wiesbaden

Güterbahnhof Nord Baufeld A2, Freiburg

Wohnen an den Buckower Feldern, Berlin-Neukölln

IWZ FH Köln

Orschel-Hagen-Süd, Reutlingen