Der neue Stöckach, Stuttgart

Städtebauliche Neuordnung des EnBW-Areals
in Stuttgart-Ost

Projektpartner:
Ludloff Ludloff Architekten
[f] landschaftsarchitektur

Wettbewerb 2019

Bruttobauland: ca. 4,25 ha

GF Neubau: 67.328 qm
GF Umnutzung: 30.014 qm

Der städtebauliche Entwurf ergänzt die bestehende Struktur und entwickelt sie zu einer räumlich komplexen Einheit. Das konsequente Aufgreifen und Fortführen potentieller Wegebeziehungen führt im Zusammenspiel mit den vorhandenen Richtungen zu einer kleinteiligen Körnung mit eigenständiger Geometrie.

Der Entwurf zeichnet sich darüber hinaus durch den Erhalt aller größeren Bestandsgebäude aus.
Damit wird die Identität des neuen Quartiers unter anderem durch eine Vielzahl von Gebäuden geprägt, deren Architektur den Transformationsprozess von der Gewerbe- zur Mischnutzung mit Wohnschwerpunkt erzählt. Auch die Neubauten verfügen über eine ablesbare urbane Programmierung, welche konsequent auf vertikale wie horizontale Nutzungsmischung setzt. Hierdurch wird ein offener und anpassungsfähiger Stöckach-Code definiert, der die Stadt als lebenswerten Ort begreift.

Neben der Programmierung der Gebäude formuliert der Stöckach-Code auch die Gestalt des Außenraums. Ein Verzicht auf Privatgärten schafft vielfältige Räume für die Gemeinschaft. Die Übergänge zwischen den grünen Höfen der offenen Blöcke und den sich stets aufweitenden bzw. verengenden Straßen sind fließend und erlauben abwechslungsreiche Blickbeziehungen.

Ein besonderes Merkmal der grundsätzlich autofreien Straßen im Innern des Quartiers ist das Unterschneiden aller neuen Gebäude. Der Stadtraum wird hierdurch zoniert und in seiner Bedeutung hervorgehoben. Zugleich entsteht eine engere Beziehung bzw. ein Übergangsbereich zwischen Stadtraum und Haus.

In der Mitte des Quartiers findet eine Überhöhung des Stöckach-Codes statt. Die Unterschnitte werden tiefer, die Häuser höher und in ihrer Erscheinung solitärer. Kinder können hier bei Regen im Trockenen draußen spielen.

Ein weiteres Merkmal des Stöckach-Codes ist die Vergemeinschaftung in der Luft. Alle Gebäude erhalten großzügige Dachterrassen für die Hausgemeinschaft. In unmittelbarer Zuordnung befinden sich Gemeinschaftsräume mit Küchen, Sanitärräumen und Gästezimmern in den Dachgeschossen.

Hybride Typologien

Die konsequente Nutzungsmischung führte zu hybriden Typologien. Dies betrifft die Neubauten gleichwohl, wie die umgenutzten und aufgestockten sowie anderweitig ergänzten Bestandsgebäude. Insgesamt lassen sich 4 unterschiedliche Bereiche im Quartier identifizieren:

Gebäudekomplex A
Der Gebäudekomplex A besteht ursprünglich aus dem langen Riegel an der Stöckachstraße und der dahinter liegenden Halle. Beide Bauteile werden ergänzt und umgebaut. Der Riegel erhält eine von der Straße zurückversetzte Aufstockung mit Wohnungen und wird auch im Innern zum Wohnen umgenutzt. Im Souterrain sind auf dem Niveau der Liefergasse kleinteilige Gewerbeflächen vorgesehen. Die beiden Untergeschosse der großen Halle werden zum Parken genutzt. Die Erschließung erfolgt über die tief liegende Liefergasse. Als Hauptnutzung ist für die große Halle ein Bürgerhaus beabsichtigt, welches sich zugleich als Kreativzentrum für das Quartier versteht. Die Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen werden von Proberäumen und Ateliers ergänzt. Das Bürgerhaus wird von weiteren Nutzungen flankiert. Im Südwesten nutzt eine 5-gruppige Kita die durch den Abriss des Anbaus freigewordenen Bereich als Außenspielfläche. Im Nord- und Südosten sind Flächen für die Kreativwirtschaft in eingeschobenen Baukörpern mit darüber liegenden Wohnungen vorgesehen.

Gebäudekomplex B
Dieser Gebäudekomplex beinhaltet den jüngsten Baukörper aus der Zeit der vorherigen Nutzung. Er wird mit dem Schwerpunkt Sport, Fitness und urban Wellness in den ersten 4 Geschossen umgenutzt. Durch eine Aufstockung auf insgesamt 7 Vollgeschosse entstehen darüber 3 Wohngeschosse mit vollwertiger Belichtung oberhalb der Turnhalle. Die Tiefgarage des Gebäudes wird in ihrer Nutzung erhalten und nach Südosten unter den benachbarten Hof erweitert. Auf dem Dach der Tiefgarage befindet sich die Außenspielfläche einer 5-gruppigen Kita, dessen Räume sich im Erdgeschoss des nördlich angrenzenden Baukörpers befinden . Insgesamt wird der Hof auf 3 Seiten baulich gefasst. Die offene Nordostflanke verknüpft den Hofbereich mit einer Grünfläche, welche sich aufgrund der Vorhaltung für den Neubau des Umspannwerks jedoch weiter nach Norden verlagern kann.

Gebäudekomplex C
Der in der Vergangenheit vielfach weitergebaute Komplex C hat eine Größenordnung erreicht, dass er im südlichen Bereich zur besseren Durchwegung des Quartiers eingeschnitten wird. Dabei fungiert die bisherige Parkplatzfläcke an der Hackstraße als Ankunftsplatz. Die umliegenden Erdgeschosse erhalten eine Einzelhandelsnutzung, sodass hier an der Stadtbahnhaltestelle ein kleines Nahversorgungszentrum entsteht. Weiter nördlich nutzt eine 7-gruppige Kita verteilt auf 2 Geschosse die auf unterschiedlichen Niveaus liegenden Außenräume als Spielfläche. Neben kleineren Gewerbeflächen in den Erdgeschossen werden die Bestandsgebäude ab dem ersten Obergeschoss zum Wohnen genutzt. An städtebaulich verträglichen Stellen wird die Bestandsbebauung um 2 Stockwerke bis auf max. 7 Geschosse erhöht. Die bestehenden Untergeschosse werden noch stärker miteinander verbunden und vor allem zum Parken verwendet. Die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt über die Schwarenbergstraße. Die nördliche Zufahrt soll nur noch zur Anlieferung der Einzelhandelsflächen genutzt werden.

Verkehr

Durch die Anfahrbarkeit der insgesamt 3 Tiefgaragenkomplexe von außen ergibt sich im Innern des Quartiers ein großflächiger verkehrsberuhigter Bereich, sodass für eine attraktive Nahmobilität in Verbindung mit den bestehenden Stadtbahnhaltestellen beste Voraussetzungen bestehen. Ein feinmaschiges Wegenetz stellt eine optimale Verknüpfung mit der näheren Umgebung her. Neben der Anbindung der Haltestellen ist die Erreichbarkeit des Unteren Schlossgartens als Teil der größten zusammenhängenden innerstädtischen Grünfläche über die Heinrich-Baumann-Straße einschl. Steg an der B14 von großer Bedeutung für das Quartier.

Energiekonzept

Das Energiekonzept des Quartiers greift die Herausforderungen der Energiewende im urbanen Raum auf und zielt auf eine sektorenübergreifende Vernetzung der Gebäude- und Mobilitätsinfrastruktur im Stöckach. Ziel ist das „Smarte Quartier“, das eine effiziente Energieversorgung und einen ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien beinhaltet. Hierzu werden möglichst viele Bestandsgebäude erhalten und Neu- wie Umbauten in Hybrid- oder Holzbauweise realisiert oder ausgestaltet, dass in Zukunft flexibel auf mögliche Nutzungsänderungen baulich reagiert werden kann. Neubauten werden hierbei im Standard KfW Effizienzhaus 55 oder besser gebaut.

Im Bereich der Energieversorgung liegt der Schwerpunkt auf einer effizienten Energiebereitstellung auf Basis erneuerbarer Energien und die Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur. Im Bereich Wärme kann in den Bestandsgebäuden die ökologische Fernwärme genutzt werden (ggf. mit Rücklaufauskopplung). In einer Energiezentrale erzeugen hocheffiziente Wärmeerzeuger (BHKW, Brennstoffzelle, WP) Wärme, die über ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz an die Neubauten verteilt wird. Der Einsatz alternativer, emissionsfreier Energieträger wie Ökostrom, Biomethan oder z.B. Wasserstoff sind dabei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum klimaneutralen Quartier.

Auf Dachflächen bildet die konsequente Solarisierung mit PV die Grundlage, um einen maximalen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Der lokal erzeugte Strom (PV, BHKW, Brennstoffzelle) soll über ein quartiersübergreifendes Energiemanagementsystem für die Gebäude und für die Mobilität in den Mobility-Hubs in den Randbereichen nutzbar gemacht werden. Energiespeicher in den Mobility-Hubs sorgen für eine hohe Stromeigenversorgung und genügend Leistung für die E-Mobil-Ladeinfrastruktur. Die öffentlich zugänglichen Mobility-Hubs an den Verkehrsachsen des Stöckach ermöglichen die einfache und effiziente Kopplung des Quartiers-Mobilitätsangebots (Bike-, Car- und Ridesharing) mit dem ÖPNV.

Städtebau


Münchner Nordosten

Landesgartenschau Leinefelde-Worbis

Bieber Waldhof West, Offenbach

Ehemaliges Etex-Areal Neuss

Haunstetten Südwest, Augsburg

Pallotti Quartier, Rheinbach

Stuttgart Rosenstein

Blaugrüner Ring Düsseldorf

Wohnen am Stadtpark, Herne

Blumenrod, Limburg an der Lahn

Wohnen am Kappelberg, Fellbach

Zukunftsquartier Hafner, Konstanz

Aalen-Süd / Union-Areal

Ehemalige GFZ-Kaserne, Mainz

Neues Wohnen in Frankfurt-Eschersheim

Wohnquartier Bergäcker, Nürtingen

Wohnen am Auenpark, Selm

Der andere Park, Heidelberg

Neuer Stadtteil Dietenbach, Freiburg

2. BA Freiham-Nord, München

Südlich Hildener Straße, Düsseldorf

Im Kandergrund, Binzen

Neuordnung der Illenauwiesen, Achern

Hechtsheimer Höhe, Mainz

Albachten-Ost, Münster

Vogelsanger Weg, Düsseldorf

Quartier über der Fils, Wernau

Quartier Moldrickx, Münster

Campus Geisenheim

Schumacher Quartier, Berlin

Hinter der Böck, Düsseldorf

Altstadtquartier Büchel, Aachen

Wiesbadenbrücke-HavenInsel, Wilhelmshaven

Heiligkreuzareal, Mainz

Nordsteimke/Hehlingen, Wolfsburg

Campus Süd, München

Mackensen Kaserne, Hildesheim

Quelleareal, Steinen

Entwicklung Stellingen, Hamburg

Verbindung MARTa – Innenstadt, Herford

Ortsmitte Litzelstetten, Konstanz

Campus Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Nachverdichtung Josefsviertel, Moers

Ehemalige Bayernkaserne, München

Haagen-Belist, Lörrach

Bierstadt-Nord, Wiesbaden

Güterbahnhof Nord Baufeld A2, Freiburg

Wohnen an den Buckower Feldern, Berlin-Neukölln

IWZ FH Köln

Orschel-Hagen-Süd, Reutlingen